Hilfe!! Sie haben Bilder von Drosen? Bitte hier klicken!
Chatzeit ab 19 Uhr, jeden ersten Samstag im Monat hier!
Version 1.1
Welche Internetverbindung habe Sie?
Modem
DSL
3 Uranerzgewinnung im Bergbaubetrieb Drosen
Die übertägige Erkundung erfolgte durch über 300 Bohrungen. Das übliche Rastermaß von 200 m x 200 m wurde stellenweise auf 200 m x 100 m verdichtet. Die damit festgestellten Erzzonen und Erzlager waren die Grundlage für die Projektierung des untertägigen Grubengebäudes. Untertage wurde die Detailerkundung als Grundlage der Vorrichtung zur Abbauprojektierung durch Fächerbohrungen aus den Grundstrecken heraus realisiert (Bohrlochtiefen bis 120 m, Bohrlochdurchmesser 88 mm, kernlos, Fächerabstand von 50 m bis 6,25 m). Der Umfang der Erkundungsbohrungen betrug im Jahr 1989 noch 264.800 m.
Bild8: Prinzipdarstellung der Hauptgrubenbaue des BB Drosen
Die vertikale Ausrichtung erfolgte durch 4 Tagesschächte (Bild 8), wobei es speziell bei den Schächten 403 und 415 zu größeren Schwierigkeiten beim Durchteufen der permotriassischen Schichten kam. Beide Schächte hatten, trotz Zementationsarbeiten, Wasserzuläufe in einer Größenordnung (Schacht 415: 02/76 bis 04/76 ca. 270.000 m³, Schacht 403: 10/76 ca. 100.000 m³), die neben den erschwerten Arbeitsbedingungen zu einem Ausfall der örtlichen Wasserversorgung in Löbichau und Ingramsdorf führte. Die Bilder 9, 10 und 11 zeigen neben dem Verlauf der Wasserzuläufe die erforderlichen Maßnahmen der damaligen Notwasserversorgung.
Bild9: Wasserzuläufe - Teufe Schacht 415 im Jahre 1976
Bild10: Notwasserversorgung in Ingramsdorf
Bild11: Reservetanks
Ein Zeitzeuge berichtet: „Täglich wurden durch die Wismut die Wasserstände in einem Bohrloch hinter meinem Haus gemessen. An einem Sonntag war es dann passiert. Der Wasserstand im Bohrloch sank und meine Brunnen waren leer. Ein dreiviertel Jahr lang fuhren dann zweimal am Tag die Tankwagen, um über die aufgestellten Wasserbehälter und durch Schläuche die einzelnen Gehöfte mit Wasser zu versorgen. Es mußte ja auch an das Tränken des Viehs gedacht werden“ [18]. Die während der Teufe des Schachtes 416 ebenfalls zu erwartenden Wasserzuläufe wurden durch Anwendung des Gefrierverfahrens (bis 123 m Teufe) vermieden (Bild 12).
Bild 12: Gefrieranlage Schacht 416
Die durch die Wasserzuläufe eingetretenen Zeitverzüge konnten durch rationelle Montagearbeiten vermindert werden, sowohl das Fördergerüst des Schachtes 403 als auch der Förderturm des Schachtes 415 wurden ca. 50 m neben der Schachtröhre aufgebaut, speziell beim Turm des Schachtes 415 konnte dadurch eine Zeitersparnis von 2 Jahren im Bezug auf die Demontagezeit erreicht werden. Das Fördergerüst des Schachtes 403 (ca. 478 Tonnen) wurde mittels Fluidkissentechnik (Bild 13) auf 2 Bahnen, der Turm des Schachtes 415 (4.700 Tonnen) mittels Rollen (Bild 14) auf 4 Bahnen zum endgültigen Standort über die jeweilige Schachtröhre gebracht.
Bild 13: Fluidkissentechnik Schacht 403
Bild 14: Verrollbahnen Schacht 415
Die Vererzung im Bereich der Lagerstätte Drosen war mit einem Teufenbereich von 225 bis 1.055 m angegeben, 70 % der Vorräte wurden im Bereich zwischen 420 und 720 m, 58 % im Bereich zwischen der 540-m- und der 720-m-Sohle erkundet. Die horizontale Ausrichtung begann auf den Sohlen 600 m und 660 m, da in diesem Bereich mit einem schnellen und ergiebigen Beginn des Uranabbaus gerechnet wurde. Infolge des verzögerten Teufenfortschrittes an den Schächten 403 und 415 begann die Ausrichtung am Schacht 412 auf der Basis der Kübelförderung. Nach dem Erreichen des Schachtes 416 wurde auch dieser Schacht zur Kübelförderung benutzt, bis der Schacht 403 für die reguläre Haufwerkförderung 08/82 zur Verfügung stand. Das Bild 8 zeigt weiterhin die spätere Ausrichtung der Sohlen 540 m, 600 m, 660 m und 720 m, während die Ausrichtung der Sohlen 480 m und 780 m nur begonnen wurde. Die Sohlen 890 m und 940 m bestanden nur in der Füllortauffahrung und in der Verbindung der Schächte 403 und 415. Die Ausdehnung des Grubenfeldes betrug 14,3 km². Es wurden ca. 200 km Strecken aufgefahren, 2,5 Mio. m³ im Teilsohlenbau mit Versatz abgebaut und insgesamt 4,0 Mio. m³ Bergemasse gefördert.

Der Schacht 403 arbeitete mit zwei unabhängigen Gestellförderanlagen mit Gegengewicht, er besaß jeweils zwei Ober- und Unterseile. Die Anlage war für Seilfahrt, Materialförderung und auch Haufwerksförderung vorgesehen. Beide Förderkörbe waren dreietagig, sie faßten jeweils 3 x 30 Personen bzw. 3 x 2 Förderwagen. Die Flurfördermaschinen mit je 1.700 kW Leistung besaßen eine Köpescheibe von 5 m Durchmesser und erreichten eine Fördergeschwindigkeit von 12 m/s. Der Schacht 415 besaß zwei unabhängige voneinander arbeitende Gefäßförderanlagen mit Gegengewicht, vier Ober- und zwei Unterseilen. Die Nutzlast betrug 23,5 t, die Beladestelle befand sich auf der 720-m-Sohle. Die Zuführung des Haufwerkes erfolgte über Kaskaden zum Dosierbunker. Die Be- und Entladung der Fördergefäße sowie das Fahren selbst erfolgten automatisch. Die Fördergeschwindigkeit betrug 14 m/s, die Leistung der Fördermaschinen je 3.200 kW.
Name 403 415 416 412 412a
Rasenbank (m NN) 259 248,1 272 281,5 279,7
Teufe (m) 872,2 881,1 722,1 642,6 40,3
Teufenbeginn Jun 76 Dez 75 Mrz 79 Dez 74 Aug 87
Teufenende Feb 80 Dez 80 Feb 81 Aug 77 Dez 87
Füllorte 10 10 5 10 1
Tiefste Sohle 890 890 870 660 40
Nutzung Frischwetter Seilfahrt Material FörderungFrischwetter Förderung (Seilfahrt)AbwetterAbwetterAbwetter
Förderanlage Flur 2-Seil-KöpeTurm 4-Seil-Köpe    
Fördergutträger (FGT)2 x Gestell 3 Etagen2 x Skip   
Nutzlast pro FGT (t)12 6 Förderwagen 23,5    
Tabelle 1
Der Skipförderschacht 415 sollte ein Förderschacht mit drei Skipbeladepunkten auf den Sohlen 540 m, 720 m und 890 m werden. Insgesamt hätte er neun Sohlen (360 m bis 840 m) bedienen können. Die Zuführung des Haufwerkes war jeweils von den 3 über dem Skipbeladepunkt liegende Sohlen durch wiederum drei Förderrollen (2,4 m Ø) vorgesehen. Zur Ausführung kam die im Bild 15 dargestellte Variante einer Förderkaskade zwischen der 540-m- und 720-m-Sohle, wobei die Zuführung 720/720 gesondert aufgefahren wurde und die 780 m-Sohle über ein Förderflachen 720/780 m angeschlossen wurde. Durch die jeweils drei Parallelrollen war das Fördern von drei durch radiometrische Kontrollstationen separierte Haufwerkssorten möglich. Das Förderregime der Förderkaskade verlief rechnergestützt. Die 480-m-Sohle konnte nur über den Schacht 403 bedient werden.
Bild 15: Schema der Förderkaskade zur Beschickung der Skipgefäße am Schacht 415
Die Streckenförderung erfolgte gleisgebunden. Die Elektro-Lokomotiven wurden auf drei Sohlen über eine Oberleitung (Gleichstrom 220 V) oder Batterien (78 V) angetrieben. In geringer Stückzahl kamen Verbundlokomotiven zum Einsatz. Die Dienstgewichte lagen zwischen 3,2 und 15 Tonnen, die Zugkraft am Haken betrug zwischen 2.000 N und 12.500 N. Das Haufwerk wurde mittels Förderwagen mit einem Nenninhalt von 1,5 m³ in Zugverbänden zwischen 20 und 40 Förderwagen je nach Loktyp und Steigungsverhältnissen transportiert. Anspruchsvoll war die Wagenförderung aus dem Südfeld der Lagerstätte, da aufgrund der Ausrichtung vom Schacht 412 aus bis zum Komplex 403/415 ca. 6 m Höhenunterschied (4 mm/m) bei Vollfahrt zu überwinden waren. Für den Materialtransport standen Ketscher und Container unterschiedlicher Bauart zur Verfügung. Material bis 5 m Länge konnte mittels Ketscher auf das Fördergestell des Schachtes 403 geschoben werden, Material über 5 m Länge wurde mittels Container unter dem Förderkorb hängend transportiert.
Bild 16:Flurfördermaschine Schacht 403
Bild 17: Turmfördermaschine Schacht 415
Bild 18: Wagenumlauf Schacht 403
Bild 19: Füllort Schacht 403 - Containertransport
Bild 20: Hängebank Schacht 403 - Förderwagentransport
Bild 21: Verbundlok
Bild 22: Werkstatt untertage
Bild 23: Gleisharfe am Schacht 403
Bild 24: Bandbrücke
Die Vortriebsarbeiten im BB Drosen entsprachen den im Thüringer Raum üblichen Verfahren, abgesehen von der anfänglich eingesetzten Mechanisierungsvariante mit einer Spurbreite von 750 mm.
Während der Aufnahme der Abbauarbeiten im BB Drosen (1982) war in der Ronneburger Lagerstätte der Übergang zum Abbauverfahren „Abwärtsgeführter Teilsohlenbau mit selbsthärtenden Versatz (TmV)“ erfolgreich vollzogen. In Drosen wurde den geologischen Gegebenheiten entsprechend ca. 60 % des Erzes aus Lederschiefer- (Og3) und ca. 40 % Diabas- Erzkörpern (ß) gewonnen. Als Gewinnungsverfahren kam ausschließlich die Bohr- und Sprengarbeit zur Anwendung. Die Abbauarbeiten entsprachen denen in den übrigen Thüringer Bergbaubetrieben. Dieselgetriebene Fördergeräte kamen nicht zum Einsatz, dafür aber Elektrolader (Fahrschaufellader ULE-2), deren Aktionsradius durch eine Drehstromoberleitung erweitert wurde (Bild 25).
Bild 25: Fahrschaufellader ULE-2 mit Drehstromoberleitung
Die Tabelle 2 zeigt den Anteil der bergmännischen Umfänge im Vergleich mit den anderen Thüringer Bergbaubetrieben (Tiefbau).
  Abbau Mio / m³ Vortrieb / km Bergemasse Mio / m³ Uran / kt
Tiefbau Ronneburg 50,9 2.906 72,2 99
BB-Drosen 2,5 183 4 3,1
Anteil 4,90% 6,30% 5,50% 3,10%
Tabelle 2
Das Grubengebäude wurde grenzläufig und saugend bewettert. Als Frischwetterschächte dienten im Zentrum des Grubenfeldes die Schächte 403 und 415 und als Abwetterschächte mit saugenden Hauptgrubenlüftern (HGL) an den Feldesgrenzen die Schächte 412 und 412a (4 HGL - Bild 26) sowie der Schacht 416 (2 HGL). Als Hauptgrubenlüfter wurden Lüfter des Typs VBS 2800 (Wettermenge 275 m³/s, Druckdifferenz 4.710 Pa, Motorleistung 1.800 kW) eingesetzt.
Die ca. 750 m³/s Frischwetter wurden durch Wetterleiteinrichtungen und Vorort- Bewetterungsanlagen (Lüfter, Lutten) so verteilt, daß die notwendige Wettermenge von 90 m³/min in jedem Fall vorhanden war und ein Unterschreiten des vorgegebenen Wertes der potentiellen Alphaenergiekonzentration ( Radonzerfallsprodukte ) von 40 MeV/cm³ erreicht wurde. Trotz der relativ großen Teufe von fast 1.000 Metern brauchten die ursprünglich angedachten Wetterkühleinrichtungen nicht installiert werden, da mit 40 m/°C ein günstiger Temperaturgradient im Feldesteil Drosen zu verzeichnen war.
Bild 26: Abwetterschacht 412/412a (links daneben Versatzstelle Po4)
Im Bereich der Lagerstätte Drosen wird das Wasser überwiegend dem Grundgebirge und dem Werradolomit entzogen. In der Hauptwasserhaltung auf der 600-m-Sohle (Bild 27) waren acht Pumpen mit einer Förderleistung von je 250 m³/h installiert. Die Kapazität dieser leistungsstarken Wasseranlage, 1.250 m³/h im Normalbetrieb, mit Bezug auf den wasserführenden Werradolomit projektiert, brauchte nicht in Anspruch genommen werden. Die für 2000 ausgearbeitete Prognose lag bei einem Wasserzulauf von 980 m³/h, die tatsächlich zu erbringende Leistung betrug 190 - 200 m³/h.
Bild 27: Blick in die Hauptwasserhaltung 600-m-Sohle
Der Personalbestand des Jahres 1980 resultierte aus der Zusammenlegung des Schachtbaubetriebes und der Aufbauleitung Drosen. In den folgenden Jahren wurden Arbeitskräfte aus den übrigen Betrieben der SDAG Wismut übernommen.
Jahr 1980 1981 1982 1983 1984 1985 1986 1987 1988 1989 1992
Gesamtbeschäftigte 881 989 1260 1598 1971 2325 2707 2887 3029 2967 3800
davon Hauer 136 138 190 252 337 437 547 576 599 568 902
Tabelle 3
Die für 1992 angegebenen Beschäftigtenzahlen sind der Grundsatzentscheidung 1986 [4] entnommen, im Jahr 1992 sollte die geplante Kapazität erreicht (880 t Uran/Jahr) und mit dieser Beschäftigungszahl 23 Jahre lang gearbeitet werden.

Die Strahlenexposition der Beschäftigten des BB Drosen kann mit einer guten Genauigkeit angegeben werden, da die Arbeiten durch Messungen (Ortsdosimetrie) der einzelnen radioaktiven Komponenten begleitet wurden. Gemäß Forschungsbericht der Bergbauberufsgenossenschaft [6], unter Beachtung der Berechnungsgrundlage Bergbau [7] ergeben sich für die Hauer die in der folgenden Tabelle angegebene Werte (andere Gewerke werden durch Vergleichszahlen berechnet).
JahrMittlerer UrangehaltRadonzerfallsproduktelanglebige RadionuklideGammastrahlungGesamtexposition
%WLM/amSv/akBQ/amSv/amSv/amSv/a
19820,06615,00,084,04,613,6
19830,066210,00,063,04,617,6
19840,071210,00,063,04,617,6
19850,065210,00,063,04,517,5
19860,069210,00,063,04,817,8
19870,069315,00,063,04,822,8
19880,070315,00,063,04,922,9
19890,072315,00,063,05,023,0
19900,073315,00,063,05,123,1
Tabelle 4
Der für strahlenexponierte Personen der Gruppe A (Untertagetätigkeit) zur damaligen Zeit gültige Grenzwert betrug 50 mSv/a. In [5] sind weitere arbeitshygienische Kennziffern für den BB Drosen enthalten. Im Folgenden aus dieser Quelle die Zahl der Arbeitsunfälle ab Beginn der Uranproduktion 1982 bis 1989.
Jahr 1982 1983 1984 1985 1986 1987 1988 1989
Arbeitsunfälle gesamt 23 41 56 56 63 57 53 68
davon meldepflichtig 13 17 26 26 35 35 23 41
davon tödlich - - - - - 3 - -
Tabelle 5